Unser Weg zum Pool

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Yeehaa!

Dezember 26th, 2013 · Keine Kommentare

Und wenn ich mich daran erinnere, jetzt, da die Strassen des Nordschwarzwaldes gut gesalzen und deshalb auch bei moderaten Dezembertemperaturen der Pony-Express nicht mehr zuzumuten sind, dann immer und zuerst an fliegende lange, weisse Schnürsenkel zweier ausgeblichener blauer Chucks, die über dem rasenden Asphalt einer französischen Autobahn auf dem Weg von Le-Bourget-du-Lac nach Grenoble im Wind zappelten.

Und deshalb erinnere ich mich, dass es heiss war an diesen Tagen im Juni, als wir uns in der Schweiz trafen, um auf unseren alten Maschinen, er auf seiner Guzzi und ich auf der BMW, durch die französischen Alpen zu fahren. So heiss, dass ich bereits am zweiten Tag die Schnürstiefel gegen die Chucks tauschte; so heiss, dass mir die Sonne auf stundenlanger Fahrt die Handgelenke derb verbrannte, weshalb ich mir endlich in Embrun eine Sonnencreme kaufte und ausserdem Ohrenstöpsel, weil Claude uns in einem kleinen typisch französischem Hotel am Place de la Mairie einquartiert hatte und ich jetzt lesen durfte, dass früh am nächsten Morgen ein typisch provenzalischer Wochenmarkt stattfinden werde.

Und deshalb erinnere ich mich, dass ich am nächsten Morgen mit brummenden Schädel bei mehreren Tassen Kaffee und Filterzigaretten zusammen mit den anderen Gästen, österreichischen Motorradfahrern, englischen Touristen, chinesischen Touristen, französischen Handlungsreisenden das typisch provenzalische Markttreiben beobachtete, die Gemüse- und Obsthändler, die Honigverkäufer, Gewürzhändler, Metzger, bevor wir zahlten und Claude noch der Wirtin verklickerte, dass wenn er in einem typisch provenzalischen Restaurant an einem typisch provenzalischen Platz ein Entrecote bestelle, er der Meinung sei, auch ein typisch französisches Entrecote aus Frankreich erhalten zu müssen, und keines aus Deutschland oder Litauen, wie sie nicht nur in unserem Hotel sondern fast überall in Embrun angeboten wurden, weil die europäischen Fleischkonzerne sich mittlerweile daran gemacht haben, mit billigem Fleisch auch die letzten typisch französischen Restaurants zu kolonialisieren, was die Wirtin (und ziemlich wahrscheinlich auch die chinesischen Touristen), wie Claude danach meinte, zwar nicht sonderlich gejuckt hat, er ihr aber trotzdem habe verklickern müssen, weil er sich danach besser fühlte.

Und deshalb erinnere ich mich, mich anschliessend auf dem Motorrad erinnert zu haben, während wir auf dem Weg zum Col d’Izoard in einer Schlucht drei Viehtransporter überholten, deren lebendes Frachtgut, die Lämmer, uns blöde musterten, dass der Claude sich gut in Frankreich auskennt, weil er ein paar Jahre dort gelebt hat, weshalb ich mich wiederum erinnerte, dass er vor der Fahrt gesagt hatte, dass die Franzosen unsere alten Motorräder lieben werden, weil sie generell alte Guzzen und BMWs schätzen würden: ich werde schon sehen. Und da erinnere ich mich, gedacht zu haben: naja, ich werde schon sehen und weiss heute doch, dass er Recht hatte, denn tatsächlich erregten wir mit den beiden alten Maschinen unerwartetes Aufsehen, wurden wir immer wieder auf beide Motorräder angesprochen, von vielen Motorrad- aber auch Autofahrern per Handzeichen anerkennend gegrüsst und bei Albertville von einem Audifahrer hupend verfolgt, der uns unbedingt auf einen Drink einladen wollte.

Und deshalb erinnere ich mich, bei Albertville ein kühles Bier getrunken zu haben, während der französische Audifahrer dem Claude von seinen Motorrädern erzählte, wovon ich so gut wie nichts verstand, da er in einem Dialekt sprach, den ich noch nie gehört hatte, weshalb ich zunächst mit seinen zwei halbwüchsigen Begleitern sprach, von denen einer eine deutsche Mutter hatte, und sagte dann irgendwann gar nichts mehr, hörte Claude und dem aufgeregt erzählenden Franzosen zu, und erinnerte mich müde zurück an die letzte Etappe von Embrun nach Alberville, dachte an den Col d’Izoard, an den Col du Galibier, der im Juni immer noch geschlossen war, weshalb wir nach Alpe d’Huez fuhren, wo meine Pony-Express in einer der 21 Kehren das erste Mal aufgesetzt hatte und damit meine Bedenken bezüglich der Reifen endlich zerstreut wurden. Und ich erinnere mich, dass die BMW ganz gut mit Claudes Le Mans mithalten konnte und gerade in der nickligen Auffahrt nach Alpe d’Huez aufgrund der besseren Handlichkeit mindestens ebenbürtig war, wie sie generell durch den bequemen Sitz, die aufrechte Sitzposition und die begrenzte, doch ausreichende Gepäckkapazität echte Langstreckenqualitäten offenbarte.

Und deshalb erinnere ich mich, dass mir die BMW auf über 3.000 km ganz eigen wurde, eine zuverlässige maschinelle Prothese meiner Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle, eben nicht nur ein Mittel zur Fortbewegung sondern auch und gerade eine Art sich auszudrücken.

Und dann erinnere ich mich, dass ich, nachdem ich den Claude noch zur deutsch-französischen Grenze begleitet hatte, allein auf der A 5 nach Hause fuhr, und erinnere mich, dass der Motor zu stottern anfing und dann ganz aus ging, gerade als ich einen Autotransporter überholen wollte, und erinnere mich, wie ich intuitiv die Kupplung zog und währenddessen den rechten Benzinhahn auf Reserve stellte, der Lastwagen wieder davonfuhr, bis ich, die rechte Spur passierend, endlich auf den Standstreifen wechseln konnte, dann im Rollen in den Leerlauf schaltete, den linken Benzinhahn auf Reserve stellte, und den Startknopf drückte und…

YEEHAA!

Sehr demnächst im Pool: Making of.

Tags: Allgemein

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