Unser Weg zum Pool

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Freiheit für BMW!

September 27th, 2013 · Keine Kommentare

 

Von Oliver Zajac

(22) Bemerkungen und Ausnahmen ZU S.1.:WW.M.EINZELSPORT-OD. EINZELSITZ.,DANN O.FUSSRASTE*ZU G:AUCH 241 JE NACH VERKLEID.

Und dann wusste ich nicht, ob ich mich ärgern oder freuen sollte, als der Gutachter vom TÜV doch tatsächlich das alte Motorrad, welches wir ihm zur Abnahme vorgestellt hatten, unbedingt einer Vmax-Prüfung unterziehen wollte, weil ihm die grobstolligen Reifen mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 160 km/h, die wir auf die Originalfelgen des alten Motorrades montiert hatten, irgendwie suspekt waren. Ärgern, da wir nicht nur neue Reifen montiert hatten sondern gleich ein ganz neues Motorrad, dessen neu aufgebauter Motor laut dem neuen Tacho bisher nur einen einzigen Kilometer gelaufen war, weshalb wir ja auch beim TÜV vorstellig geworden sind, um endlich mit Nummernschild und Plakette ausgiebigere und vor allem schonende erste Einstellungsfahrten unternehmen zu dürfen, statt die jungfräulichen Kolben und Zylinder jetzt womöglich ohne ausgiebiges Warmfahren der Tortur einer Maximalgeschwindigkeitsfahrt von eben 160 km/h zu unterziehen. Oder freuen, da nun einmal irgendjemand das Risiko auf sich nehmen musste, den von uns neu aufgebauten Motor auf Herz und Nieren zu prüfen, wobei ich sogleich an die asymmetrischen Pleuel dachte, die wir seinerzeit zunächst falsch herum montiert hatten, und sodann beschloss, dass es besser sei, der Tüver flöge in die Luft und nicht ich.

Na prima, dachte ich, endlich, das beste Motorrad der Welt. Gefunden in einer Garage in Heilbronn neben einem gepflegten VW Käfer Cabrio, dessen Besitzer und Verkäufer nicht aufhören wollte, mir zu erklären, dass sein Motorrad nicht das schnellste sei, dass sein Motorrad nicht besonders zügig beschleunige, es aber zuverlässig ist und bequem und in der Summe seiner Eigenschaften eigentlich unschlagbar. Und dann sagte er noch, dass dieses, sein Motorrad ihn nie im Stich gelassen habe. Und dann dachte ich, dass das Motorrad dasselbe über ihn wohl nicht sagen würde.

Sie wollen auch Motorrad fahren, sagten die Kinder, mit mir zusammen. Das geht aber nicht, sagte ich, wenn überhaupt nur eine kurze Runde um den Block, da die Guzzi nun einmal gerade genug Platz für mich bietet und auch die Höckersitzbank keinen Soziusbetrieb zulässt. Dann brauchen wir eben noch ein anderes Motorrad, sagten die Kinder, eines mit einer anderen Sitzbank, auf dem wir auch sitzen können. Mit dir zusammen.

*AUFL.ERT:B.AUSR.M.GELÄNDEREIF: F.GESCHW.UNT. D.BAUARTB. HÖCHSTGESCHW.D.FZ.IST ZUL.GESCHW.IM BLICKFELD D.FZ.FÜHR.ANZUGEB.

Ein anderes Motorrad in einer Garage in Heilbronn neben einem gepflegten VW Käfer und einem Besitzer und Verkäufer, der mir unentwegt erklärte, dass dieses Motorrad in der Summe seiner Eigenschaften eigentlich unschlagbar sei. Ein Ölfleck unter dem anderen Motorrad auf einem sehr sauberen Boden einer Garage in Heilbronn, innerhalb eines auf der Landkarte um unseren Wohnort gezogenen Kreises von 100 km Radius, in dem wir nach einem möglichst billigen anderen Motorrad suchten, das eben gerade einen Tropfen Öl fallen gelassen hatte, der dort auf dem Garagenboden noch nicht auseinander gelaufen war, wo sonst ein Stück Pappe oder etwas anderes gelegen haben muss, das kurz vor unserer Ankunft entfernt worden war. Ein anderes Motorrad, das kein neues Motorrad sein sollte und auch keine alte Guzzi sein konnte, da ich ein altes anderes Motorrad haben wollte und auch keine Guzzi haben konnte, da wir einen Scrambler bauen wollten, damit die Kinder endlich auch Motorrad fahren können. Mit mir zusammen.

Und natürlich ist der Tüver nicht in die Luft geflogen.

Also suchte ich in einer Zeit, in der Motorräder noch einfach waren, und in einem Radius von 100 km nach einem anderen Motorrad, das heute möglichst preisgünstig ist und dessen Rahmen gross und hoch geschweisst war, um aus ihm einen Scrambler zu bauen, damit die Kinder auch Motorrad fahren können. Und dann fand ich dieses anderes Motorrad. Und es war gut, denn dieses Motorrad hatte ein ähnliches technisches Konzept wie die alte Guzzi, mit der ich mich mittlerweile auskannte. Und es war schlecht, denn dieses andere Motorrad war eine BMW. Und ich mochte keine BMWs. Dachte ich.

Endlich schob der Verkäufer und Besitzer sein Motorrad raus aus der Garage mit dem VW Käfer Cabrio, stellte es vor der Garage auf dem Hauptständer ab, während er unablässig erzählte von seinem Motorrad, dass es ihn nie im Stich gelassen habe, dass er gerade einen neuen Hinterreifen montiert hat, dass er sein treues Motorrad nur in gute Hände geben wolle und dass, wenn er um seine Meinung gefragt werden würde, was er aber nicht wurde, es eigentlich keinen Sinn mehr mache, in dieses Motorrad noch viel Geld zu investieren, ich solle es einfach fahren, sagte er, denn es sei ein gutes Motorrad, das ihn nie im Stich gelassen habe, und dann startete er den Motor. Mit Dir zusammen.

Der Tüver kam auf unserem Motorrad angefahren und schüttelte schon den Kopf, als er noch 50 Meter entfernt war, kam dann neben uns zum stehen, liess den Motor laufen und sagte durch seinen Helm, dass die Kupplung rutsche, er deshalb auch seine Vmax-Prüfung nicht hatte durchführen können, ausserdem der Tacho spinne und wir oder unser Motorrad so keine Plakette bekämen, wir hätten aber noch eine viertel Stunde bis zu seiner Mittagspause, um die Mängel zu richten, sagte er, oder sollten nachmittags wiederkommen. Und da dachte ich, dass man nicht so lange unser Motorrad fahren müsse, nur um festzustellen, dass die Kupplung rutscht.

*M.FRAZ AN LENKERENDEN PZ.:E13 50R-0013826

Ich fuhr mit dem besten Motorrad der Welt, das nach Plastik roch, hinter einer rappeligen Verkleidung sitzend eine kurze Runde zur Probe und zuckte zusammen, als ich das erste Mal den Blinker betätigte und danach erschrocken feststellte, dass der Blinkersummer nach der Hupe das lauteste Bauteil war.

IN VERB.M.FRAZ.HI.PZ.:E3 50R-002865

Und eigentlich interessierte mich das Motorrad gar nicht. Eigentlich wusste ich, was mich für diesen Preis erwartete. Ein altes, öltriefendes Motorrad mit etwas mehr als 54.000 Kilometer auf dem fünfstelligen Kilometerzähler des Tachos, das mir in seinem erbärmlichen Zustand nicht würde sagen können, ob sein Kilometerstand echt ist oder in Wahrheit etwas mehr als 154.000 km bedeutete. Das konnte mir nur der Verkäufer und Besitzer eines alten, öltriefenden Motorrads sagen, das auf dem sehr sauberen Boden einer Heilbronner Garage neben einem sehr gepflegten VW Käfer Cabrio stand, der, nach After Shave duftend, uns fortwährend erzählte, dass sein Motorrad, das er nachweislich seit über 20 Jahren besass, sehr zuverlässig ist und in der Summe seiner Eigenschaften unschlagbar. Und da fragte ich meinen Sohn, ob dieser Verkäufer und Besitzer dieses Motorrades einer jener BMW-Fahrer sei, der jedes Jahr mindestens einmal zum Nordkap und zurück fährt, um gleich darauf wieder zum Kap der Guten Hoffnung aufzubrechen. Und da sagte mein Sohn, nee, der nicht.

*M.TANK BMW R75/5*OHNE VERKLEIDUNG FZ.ENTSPR.BMW R100/7

Also kaufte ich das andere Motorrad.

Also entspannte ich den Kupplungszug und programmierten wir den Tacho neu, um dem Tüver zu sagen, er könne jetzt wieder Probefahren.

Also zerlegten wir eine BMW R 100 RS, die irgendwann einmal mit einer RT-Verkleidung versehen wurde, bis auf die letzte Schraube, nahmen Verkleidung, Tank, Sitzbank und Bleche ab, demontierten Getriebe, Räder und Gabel, schraubten uns durch gefühlte 20 Liter Schraubenkleber, hievten den Motor aus dem Rahmen, zogen die von BMW für alle Ewigkeiten eingepressten Lager aus, inspizierten alte, sich bereits zersetzende Dichtungen und Simmerringe und warfen den angeschmorten Kabelbaum mitsamt versengten Relais auf den Müll – arbeiteten uns tiefer und tiefer hinein mittels Werkzeug, Kälte und Hitze in den Leib des anderen Motorrades, bis nichts anderes mehr da war, machten das andere Motorrad frei von dem Anderen der Anderen, nahmen Vorurteile, Klischees und immerfort Nachgesagtes ab, demontierten also den schlappen Motor, das schwammige Fahrwerk, schraubten uns durch Klapphelm, Herrenreiter und Sicherheitsweste, hievten andere Gedanken anderer aus unseren Köpfen, zogen den schenkelklopfenden Herrenwitz, inspizierten meine eigene Beschränktheit und warfen das unsägliche Wort der Gummikuh mitsamt Kälbchen endlich auf den Müll.

Von Weitem vernahmen wir das Auspuffgeräusch eines schneller werdenden Motorrads, das sich immer mehr entfernte.

Sehr demnächst im Pool: BMW R 100 Scroaster.

 

 

 

 

 

 

 

Tags: Allgemein

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