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Zwei Finger für eine Moto Guzzi

September 14th, 2012 · Keine Kommentare

Von Oliver Zajac

Wie nicht anders zu erwarten war, hat der Autor Oliver Zajac seine Ankündigung wahr gemacht und ist mit seinem alten Motorrad nach Mandello gefahren. Und natürlich ist der Autor nicht auf direktem Wege nach Mandello gefahren, wie das vielleicht jeder andere getan hätte. Nein, nicht unser Autor! Der Autor hat sich vielmehr einen noch viel extremeren Stummellenker montieren lassen und ist dann über den Hochtannbergpass, die Silvretta-Hochalpenstrasse, das Timmelsjoch und das Stilfser Joch nach Mandello gefahren. Und natürlich hat der Autor in Mandello auch kein Eis gegessen. Der Autor isst nämlich überhaupt gar kein Eis! Nein, niemals! Eis ist nämlich nur etwas für Ducatisti und andere BMW-Fahrer, sagt jedenfalls unser Autor, weshalb er, stilsicher und weltmännisch wie er nun einmal ist, in Mandello lediglich einen Caffè Shakerato getrunken hat. Und zwar raffinierterweise mit einem Schuss Amaretto (!), bevor er über den Julierpass wieder nach Hause gefahren ist, wo er sich gleich anschliessend in fachärztlich-orthopädische Behandlung begeben hat und sich auch höchstselbst in so ein Kernspint-Dings hat schieben lassen, um herauszufinden, warum er zwei Finger seiner linken Hand nicht mehr spüren kann. Da aber auch das Kernspint-Dings ihm, wie nicht anders zu erwarten war, nur die ordnungsgemässe Erhabenheit seiner Halswirbelsäule bestätigen konnte, hat sich der Autor entschlossen, eben mit nur acht gefühlten Fingern weiterhin Guzzi zu fahren.

Der Autor Oliver Zajac während der entschlossenen Erstbesteigung eines Erdhügels am Timmelsjoch. Wie immer bestens gelaunt und perfekt frisiert, sieht man ihn hier im urbanen Underground-Look der übernächsten Saison, dem „Sophisticated Grunge“. Eine mehr als nur gewagte, weil ausserordentlich avantgardistische Kombination aus Baumwolle und Leder, welche die betörend maskuline Aura des Trägers, das gewisse Etwas des It-Mans des New Century, unaufdringlich unterstreicht, und die durch die raffinierte Anordnung der Accessoires, den doppelt bebrillten Privat-Revolutions-Helm, den gekonnt nachlässig drapierten Seidenschal und den wie beiläufig präsentierten 14er Maulschlüssel (DAS Accessoire der Saison!) nurmehr an ebenso lässiger wie auch luzider Eleganz gewinnen muss. Unser Autor… Ein Mann von Welt!

 

Wir machten den ersten Fehler gleich zu Beginn unserer Reise, als wir uns einbildeten, an einem sonnigen Juni-Sonntag auf Landstrassen so einfach in die Alpen fahren zu können. Wir, das bin ich und ein weiterer Guzzist, Claude, den ich vor Jahren im Winterurlaub vor der Hoteltür während meiner Rauchpausen kennenglernt hatte, wo wir rauchend und frierend feststellten, dass wir beide auf der Suche nach dem waren, was wir „ursprüngliches Motorradfahren“ nannten, da wir mit dem Design und dem Fahrerlebnis, wie es moderne Motorräder bieten, immer weniger anfangen konnten. Wir hielten auch nach dem Urlaub Kontakt zueinander, berichteten uns gegenseitig über den Erfolg unser Bemühungen, das geeigntete Fahrgerät zu beschaffen, an deren Ende dann jeweile eine Le Mans 1 und ihre Nachfolgerin die Le Mans 2 standen, die es nun in den Alpen auf ihre Reisetauglichkeit zu testen galt. Die alten Renn-Guzzis haben nicht unbedingt den Ruf zu den Vertretern der bequemsten Motorrädern auf Erden zu gehören, da Tank und Chassis lang sind, die Stummellenker tief sitzen und die beiden Zylinder den ohnehin nicht gerade üppigen Platz für beide Beine noch zusätzlich begrenzen. Der idealtypische Guzzist sollte deshalb über unverhältnismässig kurze Beine als auch über einen überproportional langen Oberkörper verfügen, will er mit dem auf einer Moto Guzzi Le Mans vorzufindenden Platzangebot bestens oder einigermassen bequem zurechtkommen. Da aber die meisten Menschen über eine andere Anatomie verfügen, sind bei kleineren Fahrern entweder die Stummellenker schmerzvoll weit vorne oder bei grösseren der Kniewinkel beengend spitz. Das heisst, man muss sich arrangieren können, man muss lernen, mit dem begrenzten Platz zurechtzukommen, wozu man sich durchaus auch einiger Hilfsmittel bedienen kann. Meine Hilfsmittel waren zum einen ein Velorsledersattel, der durch seine rauhe Oberfläche und der damit verbundenen Haftwirkung seinen Teil dazu beitragen sollte, meinen Hintern in Position zu halten, damit ich nicht jedes Mal beim Bremsen und Bergabfahren das nach vorne rutschende Körpergewicht allein mittels der Arme und Hände an den Stummellenkern abfangen musste, was auf die Dauer für die Nacken-, die Schultermuskeln und auch den Rücken ganz allgemein mörderisch ist, und zum anderen ein neuer und verstellbarer Stummellenker, dessen Enden mir jetzt freundlicher entgegenkommen und welcher den 35 Jahre alten, originalen, aus dünnen Blech gefertigten Lenker auch aus Sicherheitsgründen ersetzen sollte. Aber selbst mit diesen Hilfsmitteln muss man sich im Sattel einer alten Renn-Guzzi sortieren, man sollte locker sitzen, den vorhandenen Spielraum verhalten nutzen, den Knieschluss zur Entlastung der Schultern beim Bremsen automatisieren und das Motorrad durch möglichst spärlichen Körpereinsatz möglichst entspannt pilotieren. Das ist nicht einfach, kann aber tatsächlich funktionieren, wenn man sich nicht so wie ich einen 30 Liter Fahrradkurierrucksack, dem ich aufgrund meiner Aversion gegen Tankrucksäcke mein gesamtes Gepäck sowie Werkzeug und Ersatzteile anvertraut hatte, auf den Rücken schnallt, wie ich bereits auf den ersten Kilometern lernen musste, als wir an eben diesem Juni-Sonntag durch Süddeutschland irrten, da an einem sonnigen Juni-Sonntag so ziemlich jede kleine süddeutsche Gemeinde entweder eine Ritterfest oder ein Seefest oder ein Strassenfest veranstaltet und durchziehende Motorradfahrer gerne per Umleitungsschilder ins Nirvana navigiert, weshalb wir dann irgendwann die Landstrasse entnervt aufgaben und auf der Autobahn zum Bodensee knallten, wo wir nach einigen weiteren Umleitungen endlich die Grenze nach Österreich passierten.

A 81

Claude und ich waren bisher nie zusammen Motorrad gefahren, mussten uns zuerst finden, was erstaunlich gut klappte. Es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass er der weitaus bessere Motorradfahrer ist, weshalb er auf den Landstrassen die Führung übernahm, während ich später auf den Autobahnetappen vorne fuhr, weil auch exzellente Motorradfahrer zuweilen älter geworden aber dennoch ein wenig eitel geblieben sind und deshalb an den richtigen Autobahnabfahrten einfach vorbei kacheln, da sie mangels Sehhilfe die mitunter kleinen italienischen Ausfahrtshinweise nicht mehr rechtzeitig entziffern können.

Am frühen Abend in Österreich angekommen, bogen wir nach Bregenz in Richtung Bregenzerwald ab, und fuhren über den Hochtannbergpass in die Alpen nach Lech zu unserem ersten Quartier…

 

Tags: Allgemein

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